02/02/2026 von Clemens Bauernfeind MSc 0 Kommentare
Algen im Aquarium – Ursachen erkennen und richtig bekämpfen
Algen im Aquarium sind eines der häufigsten Themen in der Aquaristik und beschäftigen sowohl Einsteiger als auch erfahrene Aquarianer. Kaum ein Becken bleibt dauerhaft völlig algenfrei, doch das ist auch nicht zwingend notwendig. Algen sind natürliche Organismen und ein fester Bestandteil jedes aquatischen Systems. Problematisch werden sie erst dann, wenn sie sich stark vermehren und Pflanzen, Dekoration oder Scheiben überwuchern. In den meisten Fällen sind Algen kein eigenständiges Problem, sondern ein klares Zeichen dafür, dass im Aquarium ein Ungleichgewicht herrscht.
Dieses Ungleichgewicht entsteht meist durch eine Kombination aus Licht, Nährstoffen und Pflege. Zu lange oder zu intensive Beleuchtung, ein Überangebot an Nitrat oder Phosphat, unregelmäßige Wasserwechsel oder schwach wachsende Pflanzen schaffen ideale Bedingungen für Algen. Während Aquarienpflanzen konstante und ausgewogene Bedingungen benötigen, sind Algen sehr anpassungsfähig und nutzen selbst kleinste Schwankungen zu ihrem Vorteil. Besonders in neu eingerichteten Aquarien ist das biologische System noch nicht stabil, weshalb Algen in der Startphase völlig normal sind.
Je nach Ursache treten unterschiedliche Algenarten auf. Grünalgen gehören zu den häufigsten Erscheinungen und zeigen sich als grüne Beläge auf Scheiben oder als "feiner Staub". Sie entstehen meist bei hoher Lichtintensität in Verbindung mit einem unausgeglichenen Nährstoffhaushalt. Braunalgen, auch Kieselalgen genannt, sind vor allem in jungen Aquarien zu finden. Sie bilden bräunliche Beläge und verschwinden oft von selbst, sobald sich das Becken biologisch stabilisiert. Fadenalgen wachsen in langen, weichen Strängen und weisen häufig auf ein Ungleichgewicht zwischen Nitrat und Phosphat hin.
Besonders auffällig und oft unangenehm sind Blaualgen, die streng genommen keine Algen, sondern Cyanobakterien sind. Sie bilden schleimige Beläge, riechen oft nach einen alten Badesteg und breiten sich schnell aus. Ursache hierfür sind meist sauerstoffarme Zonen, stehende Bereiche im Aquarium oder stark verschobene Nährstoffverhältnisse. Pinsel- und Bartalgen hingegen sind dunkel gefärbt, fest haftend und sind besonders hartnäckig. Sie treten häufig bei einen Überschuss an Mikronährstoffen auf.
Die nachhaltige Bekämpfung von Algen beginnt immer bei der Ursachenanalyse. Anstatt Algen lediglich mechanisch zu entfernen oder chemisch zu bekämpfen, sollte das Ziel sein, das biologische Gleichgewicht im Aquarium wiederherzustellen. Regelmäßige Wasserwechsel, konstante Beleuchtungszeiten, eine ausgewogene Düngung sowie eine stabile CO₂-Versorgung tragen entscheidend dazu bei, dass Pflanzen gesund wachsen und Algen verdrängen. Gut wachsende Pflanzen sind der beste natürliche Schutz gegen übermäßigen Algenwuchs, da sie Nährstoffe aufnehmen und Algenwachstum unterdrücken.
Hier sind unsere Empfehlungen.
- Beleuchtungsdauer: 6 – 8 Stunden täglich
- Frisch eingerichtete Becken sollten bei 6 Stunden starten und nach 4 Wochen die Dauer wochenweise um je 30 Minuten erhöhen.
- CO₂-Gehalt: 20–30 mg/l
- Nitrat (NO₃): 10–25 mg/l
- Phosphat (PO₄): 0,1–0,5 mg/l
- Kalium (K): 5–10 mg/l
Diese Werte sind Richtlinien, keine starren Regeln. Jedes Aquarium ist individuell und reagiert unterschiedlich. Entscheidend ist, dass die Werte stabil bleiben und Pflanzen sichtbar gesund wachsen.
Chemische Algenmittel können in akuten Fällen kurzfristig helfen, sollten jedoch mit Vorsicht eingesetzt werden. Sie lösen meist nicht die eigentliche Ursache des Problems. Außerdem wirkt jedes Algenmittel auch gegen Pflanzen. Langfristig führt nur eine stabile Pflege und ein ausgewogenes Aquarium zu einem dauerhaften Erfolg.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Algen im Aquarium nichts Ungewöhnliches sind. Sie zeigen, dass das System auf Veränderungen reagiert, und liefern wertvolle Hinweise auf Pflegefehler oder Ungleichgewichte. Wer Algen versteht und gezielt an den Ursachen arbeitet, kann sein Aquarium langfristig stabil, gesund und optisch ansprechend halten, ganz ohne chemische Hilfsmittel.
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